Auf der Suche nach dem Lonely Planet Bild

18. September 2014 at 11:07

Der wohl meistbestiegene Gipfel Neuseelands ist Mt. Taranaki im Egmont National Park. Auch wenn sich die meisten Touristen nur wenig in diese Gegend verirren, lohnt es sich, dem erloschenen Vulkan am Meer einen Besuch abzustatten.

Vom hippen, kreativen Surferstädtchen Raglan, in dem leider in der Nebensaison nichts geht,  sind wir nach nur einer Nacht die Westküste entlang zu unserem nächsten Ziel gefahren.

Übers Wasser zu Mt Taranaki Sunset New Plymouth

Der Vulkankegel mit 2518m Höhe ist nicht nur für Bergsteiger ein beliebtes Ziel, sondern auch für Skifahrer und Snowboarder. Für Edmund Hillary, der als Erster den Mt. Everest bestiegen hat, war es ein idealer Trainingsort. Angeblich herrschen auf Mt. Taranaki vergleichsweise ähnliche Schnee- und Eisbedingungen wie auf dem Mt. Everest. Schwer vorzustellen, weil dieser mit 8848m dagegen ein Riese ist. Bedingt durch die unmittelbare Nähe zum Ozean und die damit verbundenen klimatischen Bedingungen sowie die spitze Kegelform führen dazu, dass Mt. Taranaki statt in Schnee in einen regelrechten Eispanzer gehüllt ist.

Keine Angst – wir wollten nicht auf, sondern um den Berg herum, denn Erfahrungen mit auf Eis laufen an steilen Berghängen haben wir ja schon im Tongariro Nationalpark gemacht. Laut Aussage des DoC-Mitarbeiters vom Egmont Visitor Centre ist der Tongariro Nationalpark “Kittenland” (für Kätzchen) und Mt. Taranaki “Tigerland” (für Tiger). Ganz schön von sich überzeugt, der Tiger!

Dann war natürlich erst recht klar, dass wir beiden “Pussy Cats” ;-) uns in niedrigeres Terrain begeben. Und endlich sollte es mal wieder eine Mehrtagestour sein. Die Wahl fiel auf den Around the Mountain Circuit. Aber auch hier gab uns der Tiger zu verstehen, dass es durchaus anspruchsvoll werden kann und das der kleinere 2-3 Tage Pouakai Circuit doch eine nette Alternative ist.

Dieser Weg... Wir hielten an unserem Plan fest und am 02.09. starteten wir am North Egmont Visitor Centre in Richtung Holly Hut. Dort haben wir Evi und Rico, die aus der Nähe von Dresden kommen, zum dritten Mal wiedergetroffen. Das Wetter war herrlich, der erste Wanderabschnitt kurz und wenig anstrengend, so dass wir den Nachmittag chillend auf der Veranda verbrachten. Uns wurde an dem Abend zwar klar, dass wir das berühmte Titelbild vom Mt. Taranaki, das den Lonely Planet ziert auf unserer Wanderung nicht finden werden, denn dies war auch Evi‘s und Rico‘s Intention und die beiden gingen den anderen Track.

Holly HutUns beiden ging es ja auch wieder um die Challenge: Laufen bis zum Umfallen, überall durch, drunter und drüber, egal was kommt. Hauptsache ankommen und zuallererst eine heiße Schokolade trinken – das beste nach einem anstrengenden Tag. Und der zweite Tag zur Waiaua Gorge Hut hatte es nach so langer “Rasten-Zeit“ echt in sich. Hoch, runter, wieder hoch und wieder runter, war eine Scharte bzw. ein Flussbett überwunden, folgte auch schon das nächste. Statt der angegebenen 7-9 Stunden haben wir zwar nur 6 gebraucht, angefühlt haben sie sich aber wie 9.

Gute Nacht Mt TaranakiDa wir vom Berg an diesem Tag nicht viel gesehen haben, weil es fast ausschließlich durch den Busch ging, entschieden wir uns am nächsten Tag die höher gelegene Route via “Brames Falls Track” zur Lake Dive Hut zu nehmen. Da es seit mehreren Tagen um die 16 Grad warm und die Schneeschmelze ersichtlich war sowie es mit knapp 1600m nicht sehr hoch ging, sollte trotz Südseite (kommt nie die Sonne hin) kein Eis auf uns warten. Bis auf ein paar wenige vereiste kleine Hänge, die bequem mit dem Popo gemeistert werden konnten, war es eher eine feuchte Angelegenheit, durch den nassen Schnee zu stiefeln. Auch diesmal haben wir den Berg vor lauter Wolken leider nicht gesehen.

Am vierten Tag sollte es eigentlich schon wieder zurück zu unserer Helga gehen. Da 10 Stunden Laufen im Dauerregen kein Spaß macht, sind wir lieber noch für eine Nacht mehr in die Waingongoro Hut eingekehrt und trocken geblieben.

Am nächsten Morgen ging es via “Ridge Track” vorbei am bereits geschlossenen Skigebiet. Bis auf ein paar Momente, in denen die Sonne durch die Wolkendecke blinzelte, hat sich der Tag grau in grau gezeigt. Abgefahren war wirklich, wie schnell sich das Wetter am Berg geändert hat. Für Sekunden riss der Himmel auf, die Sonne schien und es war angenehm warm, während es blitzschnell umschwenkte in eine graue Wolkenwand, durch die nur noch ein eiskalter Wind durchkam. Nicht auszudenken, wie es da wohl auf 2500m Höhe sein muss.

Nach den Anstrengungen der letzten 5 Tage suchten wir ein bisschen Erholung und Kultur im Tawhiti Museum in Hawera. Dort gab es neben der regionalen Geschichte, mit der Besiedlung der Maoris und der voranschreitenden Entwicklung des Landes mit der Ankunft der Europäer, auch eine unfassbar riesige Ansammlung von Werkzeugen und Agrarmaschinen des vergangenen Jahrhunderts. Besonders beeindruckt hat uns die Visualisierung der Geschichte und Darstellung von Alltagsszenen anhand von Puppen in Lebensgröße und in Miniatur, die in der museumseigenen Werkstatt hergestellt werden.

Meister Geppetto

Werkzeuge aller Art

Reizüberflutung: Wo finde ich nur den 19er Maulschlüssel?

Hallen voller Agrarmaschinen

Enttäuscht von den wenig spektakulären Aussichten auf den Berg, musste es tags darauf doch noch zu dem Ort (Pouakai Hut) gehen, an dem das vermeintliche Foto entstanden ist. Was hatten wir dort für einen schönen Tag: stundenlang in der Sonne am See sitzend, bis auch die letzte Wolke am Himmel verschwunden war…

Mt TaranakiMt Taranaki und der See

…und das fast ganz ohne Sandflyronies :-)