Talofa Samoa

16. August 2014 at 11:49

Vom verregneten Auckland ging es in die subtropische Ferne der Südsee!

Am 03. August hieß es “Talofa (Hallo) Samoa” und wir sind mit Virgin Australia gegen 21 Uhr auf Samoa gelandet. Samoa besteht aus 4 Hauptinseln: Upolu mit der Hauptstadt Apia, Savai’i, Manono und Apolima. Die erste Nacht haben wir in der Airport Lodge auf Upolu verbracht. Gemeinsam mit einem anderen Pärchen und einem Neuseeländer wurden wir vom Flughafen abgeholt. Unser Fahrer war ziemlich genervt. Vielleicht lag es daran, dass es Sonntag war und an diesem Tag ungern gearbeitet wird. Während wir noch Geld abheben mussten (was nicht mehr als 5 Minuten dauerte), war unser Fahrer mit den anderen Gästen bereits im Auto verschwunden. Ein anderer Taxifahrer zeigte uns dann, wo wir hin mussten. Was für eine herzliche Begrüßung! Dafür trällerte bei der Gepäckausgabe eine Samoanische Band, begleitet von ihren Ukulelen, Willkommenslieder für die Neuankömmlinge.
Am nächsten Morgen ging es früh raus, weil wir unbedingt die erste Fähre um 8 Uhr nach Savai’i bekommen wollten, um es uns dort für die kommende Woche im Sunset Fale mit Balkon über dem Meer in der Vaimoana Seaside Lodge gut gehen zu lassen.

Blick vom Meer auf unseren FaleBlick von unseren BalkonUnser Sunset FaleDiesmal hatten wir keinen Hoteltransfer gebucht. Das ist auf Samoa nicht notwendig, weil überall an den Knotenpunkten immer Taxifahrer auf potentielle Fahrgäste warten. Der Hoteltransfer ist meist am teuersten, da mit den Taxifahrern verhandelt werden kann. Die günstigste und traditionellste Variante ist aber der Bus – ein absolutes Highlight jeder Samoa-Reise.

Zwischenstopp auf dem MarktUnsere Richtung war Asau im Nordwesten der Insel. Ein Mann, den wir ursprünglich für den Busfahrer hielten, fragte uns, wo wir hin wollen und so vertrauten wir darauf, dass er uns schon Bescheid sagen würde, wenn wir aussteigen müssen. Zwar waren wir mit dem Bus viel länger unterwegs, weil dieser einen längeren Zwischenstopp auf dem Markt in Salelologo machte, aber dafür hatten wir gleich Kontakt mit Einheimischen. Als Palangis (so nennen die Samoaner uns Weiße) sind wir natürlich aufgefallen. Allerdings muss man die Fahrt mit dem Bus mögen, weil dieser zum Teil “übervoll“ werden kann. Für Frauen, Kinder und Touristen wird versucht, immer einen Sitzplatz zu ermöglichen.

Der einzige Mann, der unser Reiseziel kannte, war eine Art Gehilfe oder besser gesagt Laufbursche des Busfahrers. So richtig verstanden haben wir seinen Job nicht. Als wir für etwa 45 Minuten den Zwischenstopp auf dem Markt hatten, ist er für die Fahrgäste und für den Busfahrer einkaufen gegangen, so dass diese nicht aussteigen mussten. Irgendwann ist er nach etwa einstündiger Fahrt ausgestiegen. Beruhigend habe ich zu Hennes gemeint, dass er es dem Busfahrer bestimmt ausgerichtet hat und wir sowieso bis zur Endhaltestelle müssen. Nach etwa 1 1/2 Stunden Busfahrt und immer noch kein Ziel in Sicht, wurde es uns langsam mulmig. Also bin ich zum Busfahrer vor, nur leider hat er mich nicht verstanden und ich seine Antwort auf Samoanisch auch nicht. Von den Fahrgästen konnte ein Pärchen Englisch und sagte uns, dass unsere Haltestelle noch kommen würde; sind aber ebenso vor uns ausgestiegen. Es gibt in dem Sinne keine richtigen Haltestellen. Der Busfahrer hält, wenn einer der Fahrgäste an der unter dem Dach gespannten Wäscheleine zieht. Zum Glück sahen wir am Straßenrand ein Eingangsschild unseres Hotels. Hennes zog an der Wäscheleine, der Fahrer hielt und wir steckten ihm (wie es alle anderen auch taten) sein Fahrgeld zu, dass er in eine schwarze Tasche tat. Endlich gegen 13 Uhr am Ziel angekommen und seit 8 Uhr die erste Toilette in Aussicht!

ParadiesischDer Badestrand Nun hieß es für uns Entspannen in einem kleinen palmengesäumten Paradies, Sonne tanken, zur kleinen Nachbarinsel paddeln, Schnorcheln gehen, Lesen und einfach nur die Seele baumeln lassen. Das Meer war mit um die 22 Grad angenehm warm, aber dennoch angesichts der vorherrschenden Temperaturen und Luftfeuchte erfrischend.

KajaktripSchwimmen mit SchildkroetenWer hat die Kokosnuss geklautVaimoana LodgeDinner am StrandLano BeachMit unserem Resort waren wir sehr zufrieden. Besonders schön fanden wir die familiäre Atmosphäre. Etwas ungewohnt für uns waren die vielen Mitarbeiter, die ständig beim Essen um uns herumgewuselt sind. Ein leerer Teller stand nie länger als eine Minute. Dennoch ging es trotz der vielen Servicekräfte manchmal unorganisiert zu, vermutlich weil jeder für alles und jeden zuständig war. Doch das hat uns nicht gestört.

Der Fischer und das Meer

Bei einem Ausflug in das Dorf Asau haben wir erfahren, dass auf Savai’i eine sehr hohe Arbeitslosigkeit vorherrscht und die meisten Familien sich durch Gemüse- und Obstanbau sowie Viehzuchthaltung selbst versorgen. Jede Familie besitzt ihr eigenes Land mit Plantagen, dass an die nachkommende Generation weitervererbt wird. Es gibt wenig öffentliches Land wie beispielsweise Parks, Strände, Berge oder Wälder, die einfach so besucht werden können. Beispielsweise ist jeder Strand, den es auf Savai’i gibt, entweder in Besitz einer Familie oder eines Hotelbetriebs, so dass für den Besuch bezahlt werden muss.

Ausflug ins Dorf AsauDorfpoolDorfplatzSportspiele zum FeiertagViele Familien leben in unseren Augen gesehen in ärmlichen Verhältnissen. Zwischen unseren Lebensstandards liegen zum Teil Welten. Schon allein bedingt durch das Klima leben die meisten in offenen Fales, d.h., ohne Wände. Geschlafen und Gesessen wird auf dem Fußboden, es gibt nicht viele Möbel. Und die hygienischen Verhältnisse entsprechen auch nicht unseren gewohnten Vorstellungen. Es gibt durchaus viele, die sich einen höheren Lebensstandard leisten können, sprich ein Auto und ganz wichtig einen Flachbildfernseher, Smartphone und den ganzen technischen Schnickschnack. Eine Arbeit zu haben, hat für die Menschen auf Samoa einen besonderen Stellenwert.

Die Mitarbeiter in unserem Hotel haben viel gearbeitet. Die beiden sogenannten Manager Tili und Nou (nicht die Eigentümer) waren so gut wie jeden Tag von morgens bis abends da und haben oft im Resort übernachtet. Und die Mitarbeiterinnen im Service mussten an eine Frühschicht manchmal noch eine Abendschicht dranhängen. Darüber hinaus wurden neue Unterkünfte errichtet und die Handwerker waren jeden Tag bereits am Arbeiten wenn wir aufgestanden und haben noch gearbeitet, wenn wir ins Bett gegangen sind. Im Moment ist Hochsaison, die ab Oktober/November wieder vorbei ist. Der Chef hat seine Rolle sehr ernst genommen und seine Arbeit ging über Anweisungen geben, soweit wir das beobachten konnten, nicht hinaus. Soviel zum entspannten Südsee-Lifestyle?! Auch wenn die Leute sichtbar müde und gestresst waren, sind sie immer überaus freundlich gewesen und auf alle Wünsche eingegangen.

Fiafia-Nacht

Aufführung traditioneller Tänze

Von den jüngeren Leuten wurde uns ein Stück samoanische Kultur vermittelt. Papaya, Bananen und Kokosnüsse sind die wichtigsten Fruchtsorten. Vor allem die Kokosnuss hat eine enorme Bedeutung für die Samoaner. Bei einer Vorführung wurde uns gezeigt, welche unterschiedlichen Reifestadien es von Kokosnüssen gibt. Ist die Kokosnussschale weiß, wird nur ihr Fruchtsaft getrunken. Von einer Kokosnuss mit einer braunen Schale, so wie wir sie überwiegend kennen, wird das Fruchtfleisch für die Herstellung von Kokosnussmilch verwendet. Aus den Palmenblättern werden Körbe und Hüte geflochten. Der Stamm und auch die Blätter werden als Baumaterial für Fales verwendet. Selten wird sie nur noch so gegessen, die Kokosnussflocken, die nicht zu Milch verarbeitet werden, bekommen die Hühner und Schweine zu fressen oder die Touristen zum Frühstück.

Hennes hilft fleißig mit

Die Palangis müssen sich auch mal beweisen

Ebenso wurde uns gezeigt, wie ein traditionelles Umu zubereitet wird. Auf heißen Steinen werden Taro, Palusami, Brotfrucht und Fisch gekocht. Die Tarowurzel schmeckt nachdem sie auf den heißen Steinen gebacken wurde, wie eine Mischung aus Brot und Kartoffel. Die Brotfrucht sieht nach dem Kochen aus wie ein großer trockener Pilz in einer Schale. Palusami ist wirklich köstlich und besteht aus den ganz jungen Blättern des Taro-Baumes, den taro leaves, und Kokosnussmilch. Für das Palusami werden mehrere Taro-Blätter übereinander gelegt und mit Kokosnussmilch befüllt, zu einem Ball geschlossen und zum Schluss mit einem Bananenblatt (welches nicht mitgegessen wird) umwickelt und auf die heißen Steine gelegt. Durch das Kochen wird die Kokosnussmilch fest und die Taro-Blätter weich. Palusami schmeckt ähnlich wie Spinat und wird zusammen mit der Taro gegessen. Als Delikatesse gab es Oktopus, der zu erst im Ganzen in das offene Feuer gegeben und anschließend in Stückchen geschnitten in der Kokosnussmilch gekocht wurde. Diese traditionelle Art des Kochens wird in Samoa jeden Sonntag und zu besonderen Anlässen praktiziert.

Umu-Kocharena

Freiluftkochen

Palusami mit Taro

Palusami mit Taro

Am Sonntag, den 10. August war in Samoa Vatertag und dazu gab es eine besondere Zeremonie in der Kirche. Die Samoaner sind sehr gläubig und gehen jeden Sonntag in die Kirche. Für jede Glaubensrichtung gibt es eine eigene Kirche, so dass es in jedem kleineren Dorf mehrere gibt. Auch wenn wir beiden nicht die Kirchengänger sind, hat es uns doch interessiert, wie das so auf Samoa abläuft. Umso mehr haben wir uns gefreut, als Pauline, eine Mitarbeiterin des Resorts, uns eingeladen hat, sie zu begleiten. Alle waren in weiß gekleidet. Die Frauen trugen lange Kleider und Hüte, die Männer weiße Hemden und rote Blumenketten als Anlass zum Vatertag. Es wurde gemeinsam gesungen, gebetet und der Pfarrer hielt lange Predigten. Die Jugend führte einen Tanz zu Ehren der Väter auf, der natürlich mit Gesang begleitet wurde. Zum Schluss wurde den Vätern von den Frauen und Kindern als Geschenk eine Blätterkette, Seife und Süßigkeiten überreicht. Auf einmal kommt eine Frau auf uns zu, stürzt sich regelrecht auf Hennes, hängt ihm die Kette um, gibt ihm die Seife und zum Schluss einen dicken Schmatzer auf die Wange. Ich musste schon schmunzeln, weil Hennes ja noch kein Vater ist. Aber danach war ich auch an der Reihe. Es wusste niemand, dass wir kommen und wir waren überrascht von der Gastfreundlichkeit, mit der sie unsere Anwesenheit ehrten.

In der Kirche zum VatertagIm Anschluss an den Kirchengang veranstaltete jede Familie bei sich Zuhause ein großes Mittagessen – ein traditionelles Umu. Pauline hatte uns dazu spontan eingeladen. Von einem Nachbar wurden zwei Stühle organisiert, die aufwendig mit Kissen und Tüchern bestückt wurden, damit wir es bequem haben. Wir bedankten uns sehr dafür, zogen es aber vor, gemeinsam mit der Familie auf dem Boden im Schneidersitz zu essen. Dabei dürfen entsprechend samoanischer Kultur die Gäste und die Älteren immer als Erstes essen und die Familie wartet, bis diese fertig sind. Also wurde uns groß aufgetischt und es gab Palusami mit Taro, Hähnchen-Curry, Brotfrucht, Würstchen und ein Nudel-Rindfleisch-Salat. Auch wenn eine Familie arm ist, wird alles was sie haben und nur das Beste für die Gäste ermöglicht. Der Bruder hat sich mehrmals bei uns dafür entschuldigt, dass sie so arm sind und uns nichts Besseres bieten können. Unglaublich, welcher Aufwand extra nur für uns betrieben und welche große Gastfreundlichkeit uns entgegengebracht wurde. Es gab nichts, für was sich die Familie hätte entschuldigen müssen.

Familie von Pauline

Etwas unangenehm war uns die Situation schon, alleine zu dinieren und die Familie warten zu lassen, aber wir hatten den Eindruck, dass sie sich ganz gut über unsere feinen Essmanieren amüsiert haben. Und aus Respekt und Höflichkeit haben wir natürlich alles probiert bis hin zum Koko Samoa (Kaffee, der wie ein extrem süßer Kakao schmeckt) und Ava (aus der Pfefferpflanze gewonnenes Getränk mit geringem Alkoholgehalt). Die Familie hat uns beiden zum Abschied ein Lava-Lava geschenkt, das vor allem von Männern aber auch von Frauen als traditioneller Rock getragen wird. Wohl eine der schönsten Erfahrungen, die wir auf Samoa gemacht haben, mit der wir absolut nicht gerechnet hätten. Dass Hennes und ich zusammenleben und nicht verheiratet sind, konnten sie nicht so richtig verstehen. In Samoa leben Mann und Frau erst nach der Hochzeit zusammen.

Pauline, ihre Mutter und ich

Pauline, ihre Mama und ich

Am 12. August ging unser Rückflug nach Neuseeland und so verließen wir am Montag unser Resort auf Savai’i, um den letzten Tag auf der Insel Upolu zu verbringen.

Abschiedsbild

Mit Tao und Pauline

Da es ein Feiertag war und keine Busse fuhren, teilten wir uns mit einer niederländischen Familie, die in Neuseeland lebt, ein Taxi. Erstaunlich war, dass die Frau so ein gutes Gedächtnis hatte und auf der Fähre das Mietauto des Hotels, zu dem wir wollten und welches sie selbst vor zwei Jahren gefahren sind, anhand des Nummernschildes erkannte. Also haben wir gleich nachgefragt, ob uns die jungen Leute zum Hotel mitnehmen könnten. Und so fuhren wir dann gemeinsam mit einem Pärchen aus Hawaii zum Samoan Outrigger Hotel in Apia.

Garten Samoan Outrigger HotelAm nächsten Tag – unser letzter auf Samoa – wollten wir uns eigentlich die Stadt Apia und Umgebung anschauen. Leider hat uns unser Magen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da unser Flug erst um 22 Uhr ging, bot uns das Hotel an, dass wir zwar aus dem Zimmer auschecken müssten, aber den ganzen Tag noch dort verbringen könnten. Mit Kamillentee und einem Buch verbrachten wir den Vormittag am Pool.

Samoan Outrigger HotelAm Nachmittag sind wir doch noch kurz in die Stadt. Savai’i hat uns besser gefallen. Upolu ist viel lauter, vielmehr Verkehr und überall liegt Müll rum. Das freut natürlich die Ratten und die konnten wir am hellerlichten Tag in einem Park in Apia beobachten.

Busbahnhof in ApiaKirche in Apia

Rattenalarm

Das war nicht die Einzige

Nur Haut und Knochen

Den Hunden geht’s hier schlechter als den Ratten :(

Beide hatten wir uns schon so sehr auf die Pizzeria in der Nähe unseres Hotels gefreut, die uns wärmstens empfohlen wurde. Während ich für den Rest des Tages das Essen so gut wie komplett einstellte, konnte sich Hennes eine Pizza schmecken lassen. Dabei muss er ausgesehen haben wie ein Pascha, weil ich immer nur den Rand zugeschoben bekommen habe.

Um kurz nach 22 Uhr hieß es dann “Tofa (Aufwiedersehen) Samoa” und wir sind um 1:30 Uhr in Auckland gelandet. Wie immer hat es geregnet!