Vom Castlepoint zum Cape Reinga

2. August 2014 at 11:17

Wir haben den “Ninety Mile Beach” gerockt, sind auf den Te Paki Giant Sanddunes gesurft, auf die Pinnacles geklettert, haben unseren schönsten Sonnenuntergang an der Bay of Plenty gesehen und konnten eine Gruppe Delfine am Cape Reinga beobachten…

Wir haben lange nichts von uns hören lassen. Wir haben eben viel zu tun ;). Jeden Tag ein neues Ziel, jeden Tag woanders. Reisen ist durchaus anstrengend. Dafür bekommt ihr jetzt umso mehr zu lesen und könnt an unseren Erlebnissen des letzten Monats ein bisschen teilhaben.

Hawke’s Bay & Kaweka Forest

Gestartet sind wir vom Castlepoint weiter die Ostküste hinauf. Die Aussicht auf die sonnenverwöhnte Hawke’s Bay mit durchschnittlich milden 15 Grad im Winter war einfach zu verlockend. Tagsüber angenehm warm, wurde es abends doch ganz schön kühl. Zwar gibt es maximal eine Hand voll Nächte Frost im Jahr, dennoch hat es uns nicht selten gefröstelt.

Te Mata Peak mit Blick auf Hastings

Taumatawhakatangihangakoaua..

Längste Ortsname der Welt

Ein heißes Bad ist da natürlich eine Wohltat. Also hieß es wieder den Rucksack packen, etwa 30 Kilometer Schotterpiste fahren und mit Helga einen Fluss durchqueren, um schließlich zum Kaweka Forest zu gelangen. Vom Parkplatz aus waren es dann ungefähr 2 1/2 Stunden bis zur Te Puia Lodge, in der wir die Nacht verbracht haben. Nicht ohne Grund haben wir uns dieses Hüttchen auserwählt; befinden sich doch knapp 45 Minuten von ihr entfernt, heiße Quellen im Busch, die direkt in zwei Badewannen geleitet werden. Ach, da ließ es sich gut aushalten.

Mangatainoka Hot Springs

Notbehausung Nur was für die ganz Harten

Da wir beiden Gipfelstürmer die Panoramaaussichten von oben lieben, ging es am nächsten Morgen über die Makino Hut zurück zu unserem Auto. Auch wenn wir nicht sehr hoch mussten, anstrengend und schweißtreibend war es trotzdessen. Nur gut, dass unmittelbar am Parkplatz zwei noch heißere und luxuriösere Badewannen auf uns warteten.

Free Hot Pools

Der Ursprung der heißen Quellen ist auf vulkanische Aktivitätten zurückzuführen. Signifikant für die Nordinsel sind vor allem ihre Vulkane, Teil des “Ring of Fire”, die unter anderem zu ihrer Entstehung maßgeblich beigetragen haben. Deswegen konnten wir es auch kaum erwarten, dort hinzukommen. Da wir die „Schönwetter-Reisenden“ sind, wird vorher erst einmal der Wetterbericht studiert. Die Sonne scheint, die Reise geht los und führte uns zum Tongariro Nationalpark.

Tongariro Nationalpark

Schon von weiten, konnten wir die in Schnee und Eis gehüllten Schönheiten des Tongariro Nationalparks sehen. Dazu gehören die aktiven Vulkane Ruapehu und Tongariro. Tongariro ist ein Vulkan-Komplex mit mehreren Kratern und Öffnungen. Einer seiner Vulkankegel ist Mt Ngauruhoe, der jüngste und mit Abstand schönste, der das letzte Mal um 1974/75 ausgebrochen ist. Es gibt zum einen den Northern-Circuit, eine 3 bis 4 Tageswanderung auf und um den Vulkan Tongariro und das Tongariro Crossing, bei dem es an einem Tag rauf und wieder runter geht. Mt Ruapehu kann in 6 Tagen komplett „umrundet“ werden. Dabei ist es möglich bis zum höchsten Punkt der Vulkankegel hinaufzuklettern. Der höchste ist mit 2797m Mt Ruapehu, gefolgt von Mt Ngauruhoe mit 2291m und Mt Tongariro mit 1967m.

Aktive Vulkan RuapehuLinks- Mt Tongariro, rechts- Mt NgaurhoeVulkankegel Mt Ngauruhoe

Uns beiden hätte das Crossing schon gereicht. Aufgrund der Winterkonditionen wurde uns davon abgeraten insbesondere ohne Steigeisen und Eisaxt. Auf Empfehlung eines DoC-Mitarbeiters haben wir uns für einen Tagesausflug zu den Tama Lakes entschieden. Diese sind zwei Seen in alten Kratern, die durch Explosionen vor etwa 9700 bis 10 000 Jahren entstanden sind.

Kratersee Lower Tama LakeUpper Tama Lake

Dennoch ließ es uns keine Ruhe – wollten wir doch unbedingt auf den Vulkan –  und wir entschieden uns, das Crossing am nächsten Tag zu probieren. Das Wetter war leider nicht mehr so schön wie am Vortag und es peitschte uns ein eiskalter Wind um die Ohren, der immer heftiger wurde, um so höher wir kamen. An der ehemaligen Hütte “Ketetahi Hut” auf 1450m, die bedingt durch Beschädigungen der Eruption des “Te Maari Crater” 2012 nur noch als Unterstand genutzt wird, haben wir uns ein kleines Päuschen gegönnt. Statt der ausgewiesenen 3 Stunden haben wir nur die Hälfte der Zeit gebraucht. Trotz der widrigen Wetterbedingungen sind wir weitergegangen. Mit jeden Schritt, den wir höher gingen, wurde es vereister und dazu immer steiler. Eisige Hänge und minimaler Grip haben uns dann zum Umkehren gezwungen. Vorerst bezwungen vom Berg sind wir zum Auto zurück und nach Taupo weitergefahren. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben und deshalb haben wir uns entschlossen, es mit entsprechender Ausrüstung und besserer Wetterlage erneut in Angriff zu nehmen.

Taupo

Der Ort Taupo liegt am größten See Neuseelands Lake Taupo, der ursprünglich ein Supervulkan war und auch immer noch ist. Die Taupo Caldera ist verantwortlich für die weltweit verheerendste Eruption innerhalb der letzten 5000 Jahre. In Taupo haben wir es uns auf einem 5-Sterne-Zeltplatz mit angeschlossenem Thermalbad 4 Tage gut gehen lassen, das Vulkanmuseum besucht und nebenbei die WM verfolgt.

Von Taupo sind wir über das nach faulen Eiern riechende Rotorua, hervorgerufen durch die enormen thermalen Aktivitäten, zur Bay of Plenty weitergereist. Leider hat es in Rotorua in Strömen geregnet und hier wird die Reisekasse um einiges leichter gemacht. Die Attraktionen Wai-o-Tapu Valley und den Lady Knox Geyser werden wir uns noch gemeinsam mit Hennes seinen Eltern anschauen.

Wir sind übrigens die deutschen Pannenhelfer auf neuseeländischen Straßen. Mittlerweile haben wir schon dem dritten Autobesitzer aus der Patsche geholfen. Wenn die Engel reisen, gibts eben nicht nur gutes Wetter, sondern auch Starthilfe zum Nulltarif.

Die Schoenen und das Biest

Unser gutes Mädchen hat sich den Platz in der ersten Reihe verdient.

Bay of Plenty

Nicht nur im Tongariro Nationalpark gibt es Vulkane, eigentlich sind die über die ganze Nordinsel und darüber hinaus verstreut (die meisten natürlich nicht mehr aktiv). Ein aktiver Vulkan ist “White Island”, etwa 90 Minuten mit dem Boot von Whagatane (Fa-ga-ta-nie) entfernt. Da es mit Tongariro nicht geklappt hat, nun der Versuch mit White Island. Der Ausflug inklusive Lunchpaket hat uns jeweils $200 gekostet, die wir aber zum Schluss wieder in unserem Portemonnaie hatten einschließlich kostenlosem Mittagsschmaus. Es ist doch ein bisschen wie verhext, aber auch hier sind wir nicht auf den Vulkan gekommen. Der Wellengang war zu stark, so dass die Crew nicht anlegen konnte. Auch gut. Wir haben den Vulkan aus nächster Nähe gesehen und es uns schmecken lassen. Nicht für alle Bootsgäste war es eine schmackhafte Angelegenheit, die Seekrankheit lässt grüßen!

White IslandWhite Island mit HennesAktive Vulkan White Island

Seekrank sind wir zum Glück nicht geworden, dafür nur ziemlich nass und das Fotografieren war durch die Schieflage des Öfteren schwierig. Aber alle guten Dinge sind drei und so haben wir es am Ende wenigstens auf Mt Edgecumbe geschafft.

Tanz den Haka

Sonnenuntergang am Kohioawa Beach

Coromandel

Ohne Frage, der Hot Water Beach ist der Touristenmagnet Nummer 1. Wie ihr sehen könnt auch im Winter!

Hot Water BeachDas große BuddelnWaikawau Bay

Neben Stränden bietet der Coromandel Forest eine schöne Wanderung zu den Pinnacles, die ebenfalls vulkanischen Ursprungs sind.

The Pinnacles

Klettertour Pinnacles

Warten auf den Sonnenaufgang

 

Bay of Islands

Die Bay of Islands mit ihren kleinen Inselgruppen, Buchten und azurblauem Meer, das zum Schnorcheln und Fischen einlädt, sind besonders für die Städter aus Auckland ein beliebtes Urlaubsziel. Wir hatten perfektes Wetter, die See war relativ ruhig und ein Kajaktrip vom Städchen Russel auf eine der Inseln wäre eine willkommene Abwechslung gewesen. Nur leider werden hier im Winter keine Kajaks verliehen.

Waihihi BayOcean BayBay of Islands

 

Northland – einer unserer Favoriten

Der absolute Hammer ist das Northland. Endlos weite Sandstrände, riesige Sanddünen, einsame Buchten und wilde Küsten sowie den besten Highway überhaupt. Hier spaziert man nicht am Strand, hier wird gefahren. Auf dem Ninety Mile Beach ging es von Ahipara bis fast zum Cape Reinga.

90 MILE BEACH

Mit 80 Sachen über den Strand geheizt. Auch wenn dieser statt 90 Meilen nur knapp 90 km lang ist, war es doch ein riesen Spaß. Zwischendurch gab es noch eine große Rettungsaktion. Ein nicht mehr ganz so kleiner Hai war gestrandet. Irgendjemand hatte das Prachtexemplar schon am Haken gehabt. Zuerst dachten wir, er lebt nicht mehr, aber nachdem er sich mit kräfigen Hieben versucht hat zu wehren, gingen wir kurzzeitig ein bisschen auf Abstand. Hennes war dann so mutig und hat den Hai ins Wasser gezogen, womöglich hätte ich das noch nicht einmal geschafft, es war ja doch ein ganz schöner Brocken. Bedingt durch die Ebbe und die Bewegungslosigkeit des Haies ist er jedoch immer wieder gestrandet. Nach 3 Anläufen haben wir ihn dann nicht mehr gesehen. Wir hoffen, dass er es geschafft hat. Angefasst haben wir ihn beide. Seine Haut hat sich angefühlt wie feinstes Sandpapier.

Winter, Sonne, Sonnenschein

Kampf der Titanen

Ende 90 Mile Beach

Der Ausgang nach 90km Strandhighway ist der Te Paki Stream. Dies bedeutet für etwa 3km durch ein sandiges Flussbett fahren. Wer anhält, bleibt stecken! Trotz verheerender Unwetter mit heftigen Regenfällen, die eine Woche zuvor das Northland heimgesucht und ganze Landstriche überflutet haben, stand das Wasser nicht hoch und unsere Helga konnte das Flüsschen problemlos passieren.  Sonst wäre der Spaß zum Albtraum geworden. Es sind schon einige Autos der Flut zum Opfer gefallen, weil sie im Treibsand nicht mehr vor- und rückwärts gekommen sind. Und für den 90 Mile Beach gibt es keinen Pannendienst und auch die Versicherung schließt ein Inkrafttreten von vornherein aus. No risk no fun. Wir wussten, auf unser Mädchen ist Verlass. Für Neuseeland ist ein 4WD wirklich ein Muss. Die Videos gibt es aber erst Zuhause zu sehen ;-)

Ein- und Ausfahrt Te Paki Stream

SANDDÜNENSURFEN

Unversehrt und mit ordentlich Adrenalin im Blut haben wir das Ende des 90 Mile Beach an den Giant Te Paki Sand Dunes erreicht. Und da wartete auch schon der nächste Spaß auf uns.

Riesige SandhaufenKopf über

CAPE REINGA

Cape Reinga18tkm bis nach HausPlace of Departing Spirits

Cape Reinga ist ein magischer Ort. Hier treffen die beiden Ozeane, die stürmische und unbezwingbare Tasman Sea und der entspanntere South Pacific aufeinander. Für die Maoris ist dies ein sehr heiliger Ort, an dem die Seelen der Verstorbenen ihren Frieden finden und den Baum hinab ins Meer gleiten. Es ist zwar nicht der nördlichste Punkt Neuseelands, das sind die Surville Cliffs, zu denen der Zutritt für die Öffentlichkeit untersagt ist. Aber es fühlt sich doch ein bisschen so an, wie am (anderen) Ende der Welt zu sein; eben ~ 18.000km von Zuhause entfernt.

Ich habe mir die Chance entgehen lassen, mit Delfinen zu schwimmen. In der kleinen Bucht beim Cape Reinga tollte eine Gruppe in den tosenden Wellen der Tasman Sea. Es war schon kurz vor Sonnenuntergang und bis ich es ins Wasser geschafft hätte, wäre es vermutlich schon dunkel gewesen. Nichtsdestotrotz war es schön, die Meister des Wellenreitens zu beobachten.

Delfinbeobachtungen

GREAT EXHIBITION BAY

Unglaublich, was für schöne Strände im fernen Norden der Nordinsel zu finden sind. Vom zart-weißen Sandstrand geht es über in ein Strandmeer aus Muscheln. Wir haben noch nie in unserem Leben so viele Muscheln gesehen. Ganz klar, dass wir uns da durchwühlen mussten. Wie klein wir doch gegen diese unendlichen Weiten wirken. Und bei frühlingshaften Temperaturen um die 16 Grad wurde natürlich noch ein Sprung ins kalte Nass gewagt. Es war ungefähr so kalt wie die geliebte Ostsee im Sommer. Zu kalt ist es hier nicht, um im Winter zu baden, nur etwas unbehaglich bei dem Gedanken, mit Haien schwimmen zu gehen. Aber laut Aussage einer Einheimischen ist das kein Problem, schließlich sind die Haie harmlos und Angriffe auf den Menschen gibt es in Neuseeland so gut wie gar nicht.

Weißer Siliziumsand

SchatzsucherSchnee oder Sand

Pünktlich mit Hochladen dieses Beitrags verlassen wir Neuseeland für 10 Tage. Seid gespannt, wohin die Reise ging!