Schneegestöber und heiße Füße

9. Juni 2014 at 11:37

Tramping vom 26.05.-02.06.2014 im Nelson Lakes Nationalpark

Route: St Arnaud – Lakehead Hut – Upper-Travers Hut – Westsabine Hut –  Blue Lake Hut – Sabine Hut – Speargrass Hut – über Robert Ridge Route und Mt Robert zurück nach St Arnaud

Kilometer insgesamt: 100km


Um dem schlechten Wetter zu entfliehen, sind wir weitergezogen nach Nelson. Die niedliche Kleinstadt mit über 40.000 Einwohnern liegt direkt am Meer. Ihr absoluter Bonuspunkt: im Vergleich zum Rest Neuseelands scheint hier (und in der nicht weit entfernten Stadt Blenheim) prozentual am häufigsten die Sonne. Mit 15 Grad im Schatten lässt es sich hier trotz winterlicher Nächte gut aushalten, so dass wir tagsüber noch unsere Flipflops tragen können.

Aufstieg kommt vor dem Abstieg

Schönes Wetter bedeutete für uns wieder raus in die Natur, um auch diese Region zu erkunden. Nicht einmal 80km entfernt vom maritimen Nelson erstreckt sich der Nelson Lakes Nationalpark mit den Ausläufern der Southern Alps, die immerhin noch eine beträchtliche Höhe von über 2000m erreichen. Vom Strandspaziergang und einer kleinen Partie Minigolf ging es durch weite grüne Täler hinauf auf die schneebedeckten Berge. Der Travers-Sabine-Circuit führte uns über den fast 1.800m hohen Travers-Saddle zu dem wohl klarsten Gewässer der Welt, dem Blue Lake. Nun wissen wir auch, wie sich bis zu 1 Meter Neuschnee an steilen Berghängen anfühlt.

Blue LakeStill und starr ruht der See

Die sonst in der Hochsaison stark frequentierten Hütten hatten wir Glückspilze wieder größtenteils für uns allein. Abends am heimelig warmen Ofen sitzend, haben wir die Ruhe genossen und uns ein erholsames Fußbad gegönnt. Zu was sollten die riesen Kochtöpfe wohl sonst gut sein (Guten Appetit für all diejenigen, die noch daraus essen werden!) Da war es auch nicht so schlimm, dass wir aufgrund von heftigem Regen einen Tag aussetzen mussten, ließ es sich doch im warmen Hüttchen gut aushalten.

Ab dem Wochenende war es dann mit der Ruhe vorbei. Beste Wettervoraussichten mit nichts als bloßem Sonnenschein und ein Feiertag am Montag (01.06.) lockten natürlich auch viele Einheimische zum Fischen und (Wasser-)Wandern in den Nationalpark. Die Hütten waren voll, aber dafür gab es frischen Fisch: rohe Forelle eingelegt in Zitronen-Pfeffer-Saft, geräucherte Forelle und die absolute Delikatesse „Whitebait“. Hennes als 100%iger Nicht-Fischliebhaber hat sogar eine Bluff-Auster probiert und nun will er auch uns frisch gefangenen Fisch auftischen. Ohne Angelerlaubnis dürfen wir aber nur im Meer fischen. Zum Nachtisch gab es Rum-Cola und Wein. Die Fischers Fritzen haben sich völlig die Kante gegeben. Am lautesten hat aber ein vierjähriger Junge geschnarcht. Mit Mühe haben wir uns bedingt durch Müdigkeit und nachlassenden Kräften am nächsten Tag von der Sabine Hut zur Speargrass Hut geschleppt. Da etwa 2 Wochen zuvor der Nationalpark durch einen Sturm regelrecht verwüstet wurde, sollten uns auf diesem Streckenabschnitt umgefallene Bäume im Ausmaß eines zweistöckigen Hauses erwarten. Das DOC (Department of Conservation) ist mit den „Aufräumarbeiten“ Tage zuvor fertig geworden, so dass wir trotz langsamen Fußes schnell vorangekommen sind und die Hütte bereits nach 4 1/2 Stunden erreicht hatten. Mit den Bäumen wären es vermutlich 2 Stunden mehr gewesen.

Von der Speargrass Hut aus hätten wir ganz gemütlich in 3 Stunden durch das Tal zum Trackende rauslaufen können. Zu einfach wollten wir es uns dann auch nicht machen und wenn es noch einmal alpiner geht, dann muss es eben wieder hoch hinaus gehen: vorbei am Angelus Lake, in 1.700m schwindelnder Höhe 12km entlang des Grates über Mt Robert wieder ganz nach unten. Ende gut, alles gut und endlich wieder der Genuß einer heißen (Ganzkörper-)Dusche ;-)

Lake Angelus und Angelus Hut